
No. 14 – das Betthupferl aus Folge #14
17. März 2025No. 15 - Das Betthupferl aus Folge #15
Von Christian Topel
Irgendwie tut er ihm ja schon leid, der Sebastian.
Snørre ist an und für sich kein Unmensch, genauer gesagt, kein Ungeist. Aber Schnaps ist Schnaps und Dienst ist Dienst und sein Job ist es eben vorerst, Sebastians Gedankenschranken zu öffnen.
Snørre durchforstet das Badezimmer, während sein Schützling noch schläft. Das Erlebnis gestern im Fitnessstudio war anstrengend, anstrengender als das läppische Workout, das Sebastian dort normalerweise absolviert. Das glaubt er doch nie im Leben, dass Karin ihm abnimmt, er würde dort dreimal die Woche Gewichte stemmen? Ohne auch nur einen Millimeter Muskelmasse zu-, geschweige denn Bauchfett abzunehmen. Für wie naiv müsste er seine Frau da halten? Karin ist doch hundertprozentig klar, dass ihr Göttergatte mehr Zeit in der Sauna verbringt als an den Geräten! Wobei er sich den Weg in den hölzernen Schwitzkasten künftig sparen kann, inzwischen kennt ihn ja das ganze Studio im Adamskostüm.
Snørre grinst, als er sich Sebastians Tortur noch einmal vor Augen führt. Nun gut, denkt sich der Plappergeist, was könnte ich heute Morgen abziehen? Ein Badezimmer, die ganze Familie im Stress, da geht fällt mir doch sicher etwas ein...
Mit müden Augen steht Sebastian vor dem Badezimmerspiegel. Brav hat er die elektrische Zahnbürste über seine Beißerchen rödeln lassen und will sich nun den Mund ausspülen, da geht das Surren in ein Murren über.
"Aha. Wie beim Sex. Du versuchst es wieder mit der berühmten Fünf-Sekunden-Technik. Aber da muss ich dich leider enttäuschen: Wenigstens hier solltest du schon drei Minuten durchhalten!”
Sebastian stutzt, schielt auf die Bürste, dann auf sein Spiegelbild. Es blickt ihn resigniert an. Sebastian wiederholt die Putzprozedur, bis er sich ganz sicher ist, gut und gern 5 Minuten geschrubbt zu haben. Seine Zähne werden die Mitmenschen wahrscheinlich blenden, wenn er so weitermacht. Doch sobald er die Zahnbürste aus dem Mund nimmt, schaltet Snørre in einen schrillen Alarmmodus:
"ACHTUNG! Achtung! Verfrühte Beendigung des Reinigungsprozesses! Plaquewarnung auf Prämolaren und Molaren!"
Mit zusammengebissenen Zähnen putzt Sebastian weiter, bis es an der Tür klopft.
Karin fragt, ob er beim Zähneputzen eingeschlafen ist.
"Glück gehabt, Zuckerschnute”, sagt Snorre. “Das hast du überstanden.”
Sebastian unterdrückt ein Knurren, schaltet genervt die Bürste aus und wirft sie ins Waschbecken. Bevor er Snørre lauthals verfluchen kann, ruft ihn eine gewisse Dringlichkeit aufs stille Örtchen.
Nun ja, still...
Kaum hat er sich hingesetzt, schaltet Snørre in den Sportmoderatoren-Modus.
"Meine Damen und Herren, willkommen zu einem weiteren nervenaufreibenden Wettkampf im Porzellanschüsselbesteigen! Unser heutiger Herausforderer: Sebastiaaaaaaan Brettschneider.
Sebastian stöhnt.
"Da sehen wir ihn – tief konzentriert. Die Haltung? Klassisch. Konzentriert. Die Taktik? Noch unklar. Wird er sich für einen Schnellschuss entscheiden oder doch auf kontrollierte Offensive setzen?"
Sebastian greift nach der Klobürste, aus der die Stimme zu kommen scheint. Er erwägt, dem Plastikding das Genick zu brechen.
"Ohhh, das sieht nach einem Strategiewechsel aus”, ruft Snorre. Eine Finte? Oder leitet Sebastian Brettschisser eine spektakuläre Schlussphase ein?"
In diesem Moment klopft es wieder an der Tür, diesmal vehementer.
"Sebastian? Alles in Ordnung? Du… äh… klingst irgendwie angespannt."
Sebastian erstarrt.
"ALLES GUT!" ruft er mit gequälter Stimme, ich hatte nur eine Art Verstopfung.
Oh Gott, ist das peinlich, denkt er.
Draußen bleibt es einen Moment still, dann hört er Karin murmeln: „Okay… wenn du’s sagst…“
Sebastian reißt Klopapier ab, die eine Hälfte stopft er sich in die Ohren, mit der anderen tut er, was zu tun ist nach so einem Wettkampf. Er spült, zieht sich an, wäscht die Hände, reißt das Fenster auf und überlegt, einfach hinauszuklettern und wegzulaufen.
Da hört er den Seifenspender kichern. Und beschließt, sich weiter tapfer dem Kampf zu stellen. Ein Sebastian Brettschneider lässt sich nicht von einer Klobürste verarschen und schon gar nicht von einem Seifenspender auslachen.
“Das Bad gehört dir”, sagt er nur, als er mit trotzig erhobenem Haupt an Karin vorbeispaziert.